Anziehungskraft

Anziehungskraft ist das zentrale Thema der diesjährigen Frühjahrsausstellung 2013

Anziehungskraft

Anziehungskraft ist das zentrale Thema der diesjährigen Frühjahrsausstellung 2013

Anziehungskraft ein Thema der Kunst – von Bertram Müller

Rheinische Post I 24.05.2013 

Einmal im Jahr lädt die Kunsthändlerin Jutta Kleinknecht zu einer thematischen Ausstellung ein. Diesmal geht es um das Phänomen der Anziehung – bei Himmelkörpern wie zwischen den Geschlechtern. Ein zauberhaftes Panoptikum.

Blick in den großen Ausstellungsraum

Während Museen ihr Publikum zusehends mit großen Künstlernamen zu erreichen suchen, setzt die Düsseldorfer Kunsthändlerin auf die Kraft einzelner Werke. Da können die Urheber noch so unbekannt sein – wenn man sich erst einmal die Mühe macht, Entstehungsgeschichte, Bedeutung und technische Herstellung eines Blattes zu erkunden, gibt sich auch das Entlegenste als Schatz zu erkennen.

Maurice M. Loewy – M. Pierre Puisieux
Mer du Nectar
Photogravure, 1898

Wer so viel Arbeit in eine Ausstellung steckt wie Jutta Kleinknecht und Ehemann Thomas Kesseler, bringt im Jahr nur eine einzige Präsentation zustande. Jetzt ist es wieder so weit. Kesselers Atelier in einem Flingerner Hinterhof ist diesmal zum Schauplatz des Themas Anziehungskraft geworden. Die Ausstellung beginnt mit einer Reise zum Mond, der die irdische Schwerkraft überwinden hilft, entfaltet ihren Zauber zwischen den Geschlechtern – und schickt die Menschen auf ihren letzten Weg: Auch der Tod übt eine Anziehung aus, der am Ende niemand standhält.

Das Himmelsthema äußert sich in großformatigen Heliogravuren des späten 19. Jahrhunderts nach topografischen Fotografien der Mondoberfläche von Maurice Loewy und Pierre Puiseux. Die Darstellung ist so genau, dass selbst Einschlaglöcher von Meteoriten sichtbar werden. Gleich nebenan ist in einer Aquatinta-Radierung und fünf Detailkupferstichen nach Antonio Canova das Grabmal der Erzherzogin Maria Christina in der Wiener Augustinerkirche zu sehen. Das im Original fast sechs Meter hohe, als flache Wandpyramide gestaltete Grabmal – das Herzog Albert von Sachsen-Teschen für seine 1798 verstorbene Gattin Erzherzogin Maria Christina, die Lieblingstochter Maria-Theresias, bei Canova in Auftrag gegeben hatte – umfasst in der Mitte ein Tor, zu dem mehrere allegorische Gestalten streben. Die Tugend schreitet mit Urne hinein, von rechts bewacht ein Löwe das Grab. Carl Josef Aloys Agricola (1779-1852) hat die Blätter komponiert.

Gérard Audran
La Félicité des Bienheureux – Kuppelbild der Kirche Val-de-Grâce in Paris
6 Bll. Kupferstiche nach Pierre Mignard, 1693
Ewald Mataré
Stehender weiblicher Akt
Bleistift, weiß gehöht, 1930

Ältere Kunst und Kunst der Gegenwart führen in dieser Ausstellung eine friedliche Koexistenz. Christine Reifenberger (Jahrgang 1964), Schülerin von Gotthard Graubner, färbt große Papierbögen mit Eitempera, zerknüllt sie kunstvoll und lässt sie entweder an einem Faden von der Decke baumeln oder befestigt sie an der Wand, wo sie ebenfalls zu schweben scheinen.
Den Mittelpunkt des nächsten Raumes bilden sechs großformatige Stiche des 17. Jahrhunderts. Gérard Audran hat das größte Kuppelfresko Europas in der Pariser Kirche Val-de-Grâce in Kupfer gestochen, eine Darstellung des Paradieses.

Anziehungskraft – wer dächte da nicht auch an das Verhältnis der Geschlechter? Ein weiblicher Akt auf braunem Papier – Bleistiftzeichnung von Ewald Mataré – weist bereits in den Mond-Heliogravuren auf das Thema voraus. Im dritten und letzten Raum tummeln sich dann die Nackten. Ein Kupferstich, den der Nürnberger Virgil Solis um 1540/50 nach einer verschollenen Zeichnung Heinrich Aldegrevers schuf, zeigt Männlein und Weiblein in einer öffentlichen Badestube. Man merkt, wie sehr es den Künstler freute, dass das Zeitalter der Reformation ihm solche Freizügigkeit gestattete. Allerdings üben hier nicht nur Geschlechter ihre Anziehungskraft aus, auch der Tod tritt wieder auf den Plan: Die nackten Alten verlassen den Schauplatz über eine Treppe im Hintergrund.

Ansicht Bildhaueratelier

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